Einleitung

Die Akten des Konzils von Ephesus 431. Übersetzung, Einleitung, Kommentar und Register

Am zehnten April des Jahres 428 wurde Nestorius, der zuvor als Mönch in der Nähe von Antiochia gelebt hatte, zum neuen Bischof von Konstantinopel ernannt. Schon bald nach seinem Amtsantritt setzte er sich mit der Frage auseinander, wie man Maria in ihrer Eigenschaft als Mutter Jesu in der angemessensten Weise bezeichnen solle. Diese Aufgabe erfüllte seiner Meinung nach der Begriff ‚Christusgebärerin‘ am besten, da durch ihn sowohl das göttliche als auch das menschliche Element in dem von ihr zur Welt gebrachten Sohn erfasst sei. Den für Maria zu dieser Zeit bereits im kirchlichen Sprachgebrauch etablierten Titel ‚Gottesgebärerin‘ kritisierte er in der Folge in mehreren Predigten als sachlich verfehlt. Dieses Vorgehen löste unter den Anhängern dieses Titels scharfe Kritik aus, zu deren Wortführer sich schließlich Kyrill, der Bischof von Alexandria, aufschwang. Der Streit breitete sich aus und erfasste weite Teile der Kirche. Schließlich sah sich Kaiser Theodosius II. genötigt, ein ökumenisches Konzil einzuberufen, um den gebrochenen kirchlichen Frieden wiederherzustellen.

Die Geschehnisse rund um das Konzil von Ephesus, das für das Pfingstfest des Jahres 431 anberaumt wurde, sind uns in zahlreichen Akten überliefert. Diese dokumentieren nicht nur das Konzil selbst, sondern auch seine Vor- und Nachgeschichte. Die Akten sind dabei in verschiedenen Sammlungen auf uns gekommen, die jeweils unter eigenen Auswahlkriterien und Ordnungsprinzipien zusammengestellt worden sind. Sie wurden in den Jahren 1923–29 von Eduard Schwartz in einer epochalen, bis heute maßgeblichen Ausgabe ediert. Er beließ die altsprachlichen Texte dabei in der Anordnung, die durch die einzelnen Sammlungen vorgegeben war. Ziel unseres Projektes ist es, die Akten des Konzils erstmalig vollständig in eine moderne Sprache zu übersetzen, chronologisch zu ordnen und zu kommentieren. Das Projekt wird von der DFG gefördert und ist als Langfristvorhaben auf einen Zeitraum von zehn Jahren angesetzt (2016-2026).

Über dieses Projekt

Die Akten des Konzils von Ephesus 431

Die Akten des III. Ökumenischen Konzils von Ephesus, das im Jahre 431 abgehalten wurde, bilden die wichtigste Quellengrundlage für Untersuchungen zur ersten Phase der christologischen Streitigkeiten des 5. Jahrhunderts. Sie wurden von Eduard Schwartz in den Jahren 1923-29 in der heute maßgeblichen Ausgabe als erster Großband der Reihe Acta Conciliorum Oecumenicorum (ACO) ediert.

Diese Sammlung beinhaltet nicht nur Dokumente, die den Ablauf und die Verhandlungen des eigentlichen Konzils illustrieren, sondern stellt in seiner Textauswahl die gesamte Geschichte jenes Streites dar, der um die Frage entbrannte, ob es mit dem rechten Glauben vereinbar sei, Maria, die Mutter Jesu, als "Gottesgebärerin" zu bezeichnen: von seinen Anfängen im Jahre 428 an, über das zur Klärung der Frage einberufene Konzil hinweg bis zu der im Jahre 433 erzielten Einigung und den unmittelbaren Nachwirkungen der Auseinandersetzungen.

Bedeutung des Projekts

Wegen ihrer kaum zu überschätzenden Bedeutung für die Kirchen- und Theologiegeschichte sind die Akten des Konzils von Ephesus und die sie begleitenden Dokumente in Teilen natürlich immer wieder in moderne Sprachen übersetzt und kommentiert worden, allerdings bisher niemals vollständig. Darüber hinaus sind die Dokumente innerhalb der Sammlung, die insgesamt beinahe 1800 Seiten griechisch- und lateinischsprachiger Texte umfasst, nicht chronologisch angeordnet, sondern in verschiedene, überlieferungstechnisch bedingte Einzelsammlungen aufgeteilt, die ihrerseits ebenfalls nicht durchgängig nach chronologischen Gesichtspunkten gegliedert sind.

Ziel des hier vorgestellten Projektes ist es daher, die Dokumente der Schwartzschen Sammlung erstmalig vollständig in eine moderne Sprache zu übertragen, ausführlich einzuleiten und zu kommentieren und sie in einer Reihenfolge anzuordnen, die den Ablauf der Konzilsverhandlungen und der das Konzil umgebenden Ereignisse für den Rezipienten unmittelbar transparent macht. Der Kommentar soll dabei nicht nur theologische, sondern auch historische, geistesgeschichtliche und philologische Fragen behandeln. Die kommentierte Übersetzung der Akten soll schließlich in gedruckter und digitaler Form veröffentlicht werden.

Ansprechpersonen

Ansprechpartner für den inhaltlichen Teil dieses Projekt, das seit Januar 2016 als Langfristvorhaben von der DFG gefördert wird, sind:

Für die technische Umsetzung ist die Digital Humanities der Universität Bern verantwortlich:

Universität Bern
Walter Benjamin Kolleg
Digital Humanities
Muesmattstrasse 45
3012 Bern


DFG-Fördernummer: 282331637

Die Akten des Konzils von Ephesus 431. Übersetzung, Einleitung, Kommentar

Impressum

Förderung und Partner

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