(10) Wir bekennen, sagt er nämlich, dass er auch Sohn Gottes ist und dem Geist
nach Gott, dem Fleisch nach Menschensohn, der eine Sohn nicht zwei Naturen [ist],
[nämlich] eine verehrte und eine nicht verehrte, sondern eine Fleisch gewordene und
zusammen mit seinem Fleisch in einer Verehrung verehrte Natur des Logos Gottes,
nicht zwei Söhne, [nämlich] zum einen der wahrhaftige und verehrte Sohn Gottes,
zum anderen der von Maria [geborene] Mensch, der nicht verehrt wird [und] auf‐
grund einer Gnade Sohn Gottes geworden ist wie auch Menschen, sondern, wie ich
sagte, der aus Gott [gezeugte] eine Sohn Gottes und Gott. [Wir bekennen, dass] er
selbst und kein anderer auch von Maria in den letzten Tagen dem Fleisch nach geboren
worden ist. Wie auch der Engel der Gottesgebärerin Maria, als sie meinte: „Wie soll
das geschehen, da ich keinen Mann kenne?“, sagte: „Der Heilige Geist wird auf dich
herabkommen, und die Macht des Höchsten wird ihren Schatten auf dich werfen.
Deswegen wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.“
Der von der heiligen Jungfrau Geborene ist also von Natur aus Sohn Gottes und
wahrhaftiger Gott, und nicht aufgrund einer Gnade und Teilhabe, [er ist] allein dem
Fleisch nach, das aus Maria stammt, Mensch, dem Geist nach aber selbst Sohn Gottes
und Gott, der zwar all unsere Empfindungen dem Fleisch nach erfahren hat, wie zum
Beispiel geschrieben steht: „Da Christus für uns im Fleisch gelitten hat“, und ein
andermal: „Der seinen eigenen Sohn nicht geschont, sondern für uns alle dahingege‐
ben hat.“ Er ist aber der Gottheit nach leidensunfähig und unveränderlich geblieben
gemäß dem Ausspruch des Propheten: „Ich bin Gott und ich habe mich nicht verän‐
dert.“ Er ist unseren Tod zwar dem Fleisch nach für unsere Sünden gestorben, um
durch den für uns [erlittenen] Tod den Tod zu vernichten, gemäß dem Apostel, der da
sagt: „Der Tod wurde verschlungen zum Sieg. Wo ist dein Sieg, Tod? Wo ist dein
Stachel, Hades?“, und ein andermal: „Christus ist für unsere Sünden den Schriften
nach gestorben.“ Er ist aber durch die Gottheit als leidensunfähige Macht des Vaters
unsterblich und unüberwindlich für den Tod geblieben gemäß Petrus, der da sagt: „Es
war nämlich nicht möglich, dass er durch den Tod besiegt würde.“
Dann fügt er dem, nachdem er anderes dazwischen gesetzt hat, Folgendes hinzu:
Wenn aber jemand abweichend von dem, was aus den göttlichen Schriften [stammt],
lehrt, indem er einerseits den Sohn Gottes verkündet und andererseits den aus Maria
aufgrund eines Gnadenaktes Sohn Gewordenen wie wir, als ob es zwei Söhne gäbe,
einen natürlichen Sohn Gottes, den aus Gott [gezeugten], und einen aufgrund eines
Gnadenaktes, den von Maria [geborenen] Menschen, oder wenn jemand behauptet,
dass das Fleisch unseres Herrn von oben her [komme] und nicht von der Jungfrau
Maria, oder sich die Gottheit in Fleisch verwandelt, sich vermischt oder verändert
habe oder die Gottheit des Herrn leidensfähig sei oder das Fleisch unseres Herrn
nicht verehrt werden könne als [das] eines Menschen und nicht verehrt werden dürfe
wie Fleisch des Herrn und Gottes, den verdammt die heilige katholische Kirche, da sie
dem göttlichen Apostel gehorcht, der da spricht: „Wenn euch jemand ein Evangelium
verkündet, das von dem abweicht, welches ihr empfangen habt, sei er verdammt.“
Und so weit der selige Athanasius. Ich glaube aber, dass es nötig ist, auch anderer
heiliger Bischöfe Aussagen danebenzustellen, die denselben Tenor haben.