CV150 (Dok. 40): Kyrills Rede an die Herrinnen

Inhalt: Kyrill richtet sich in seinem Schreiben an die von ihm als ‚Kaiserinnen‘ angesprochenen Adres­satinnen, um diese in ihrem rechten Glauben zu bestärken. Sein wesentliches Ziel ist es darzulegen, dass Jesus Christus in jeder Beziehung göttlich und niemals bloß ein gewöhnlicher Mensch ist. Zu diesem Zweck führt er zunächst eine Reihe von Aussagen früherer Theologen an, die seine Auffassung bestärken, dann einen ganzen Katalog von Zitaten aus dem Neuen Testament. Letzteren fügt er je­weils einen kleinen Kommentar hinzu, mit dem der gerade in Rede stehende Aspekt der Gottheit Christi bewiesen werden soll.

Edition: Collectio Vaticana 150, ACO I,1,5 S. 62,3–118,38; ältere Edd.: PG 76, Sp. 1201–1336; Pusey (1965 [= 1868–1877]), Bd. 7 S. 154–262

Verzeichnisnummern: CPG 5219

Verfasser: Kyrill von Alexandria

Datierung: 430

Lat. Übersetzungen:  –

Literatur: Graumann (2002a), S. 323–333; van Loon (2009), S. 433–454

​(127) „Zu jener Stunde heilte er viele von Krankheiten, Plagen und bösen Geistern
​und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. Und er gab ihnen zur Antwort: ‚Geht
​und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt:
Blinde sehen wieder, Lah­‐
​me gehen umher, Aussätzige werden gereinigt, Taube hören,
Tote werden auferweckt,
​Armen wird die frohe Botschaft verkündet, und selig ist, wer keinen Anstoß an mir
​nimmt.‘“
Nachdem er sich durch diese Werke selbst als Vollender gottgeziemender
​Großtaten erwiesen hat, ruft er in Erinnerung, was durch die Stimme der Propheten
​über ihn gesagt worden ist. So sagte der selige Jesaja: „Werdet stark, ermattete Hände
​und erlahmte Knie!“
Dann weist er, indem er beinahe schon eine Hand ausstreckt, auf
​den Immanuel, wenn er sagt: „Siehe, unser Gott, siehe, der Herr kommt mit Gewalt
​und sein Arm mit Macht!“
Er sagt aber auch an anderer Stelle: „Dann werden die
​Augen der Blinden geöffnet werden, und die Ohren der Tauben werden hören. Dann
​wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und deutlich wird die Rede der Stammler
​sein.“
Und dazu noch: „Die Toten werden auferstehen und die in den Gräbern erweckt
​werden. Der Tau ist ihnen die von dir [bereitete] Medizin.“
Er sprach aber wiederum
​auch aus der Person Christi: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weswegen er mich
​gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu verkünden, den
​Gefangenen die Freilassung anzukündigen und den Blinden die Wiedererlangung des
​Augenlichts.“
Wenn er also die Formulierungen des Glaubens an ihn seitens der Pro­‐
​​ pheten zum Beleg oder eben Beweis heranzieht, die Propheten ihn aber als Gott an­‐
​kündigen, wer [wird sich da noch finden], der es wagt, das Gegenteil zu behaupten?

127 | 1–6 Zu … nimmt]

Lk 7,21–23.

127 | 3 Blinde … wieder]

Vgl. Jes 29,18. 42,18.

127 | 4 Tote … auferweckt]

Vgl. Jes 26,19.

127 | 8–9 Werdet … Knie]

Jes 35,3.

127 | 10–11 Siehe … Macht]

Jes 40,9f.

127 | 11–14 Dann … sein]

Jes 35,5f.

127 | 14–15 Die … Medizin]

Jes 26,19 unter Auslassung der Worte καὶ εὐφρανθήσονται οἱ ἐν τῇ γῇ als letztem Glied der wundersamen Ereignisse.

127 | 16–19 Der … Augenlichts]

Jes 61,1; vgl. Lk 4,18.

Die Akten des Konzils von Ephesus 431. Übersetzung, Einleitung, Kommentar

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