In diesem Abschnitt unterzieht Kyrill die Christologie der gemeinschaftlichen Namen, welche Nestorius vertrat, einer größer angelegten Kritik. Dieser hatte offenbar schon recht früh in diese Richtung argumentiert, wie sich z.B. aus einigen Exzerpten ersehen lässt, die Kyrill in seiner umfangreichen Streitschrift Contra Nestorium zitiert und behandelt (vgl. z.B. CV166,I,8,1 – 11, ACO I,1,6 S. 28,32–40 [Dok. 25] = Loofs, Nestoriana S. 287,5–18; CV166,I,1,1 – 11, S. 16,20–27 = Nestoriana S. 353,1–12; CV166,V,7,1 – 9, S. 105,8–10 = Nestoriana S. 358,9–12). Kyrill gegenüber legt Nestorius die Lehre der gemeinsamen Namen grundlegend in seinem zweiten Brief an diesen dar (vgl. CV5,3,1 – CV5,4,13., ACO I,1,1 S. 29,27–30,14 [Dok. 24]). Dieses Schreiben steht jedoch in der anzunehmenden relativen Chronologie der Schriften Ad dominas recht nahe, so dass es fraglich ist, ob Kyrill mit seinen Ausführungen hier auch auf diesen an ihn adressierten Brief Bezug nehmen kann. Dennoch gibt es zwischen den beiden Schriften eine bemerkenswerte Korrespondenz: Die Wendung τοῦ τῆς συναφείας λόγου, καθάπερ αὐτοί φασιν, εἰς ἓν αὐτοὺς πρόσωπον συνεισδέοντος (vgl. in der Übersetzung CV150,20,6 – 7) findet in dem erwähnten Brief eine auffällige Entsprechung CV5,6,2 – 3, ACO I,1,1 S. 30,19f.: τὴν τούτων [sc. ἀνθρωπότητος καὶ θεότητος] εἰς ἑνὸς προσώπου συνάφειαν. Weitere Hinweise darauf, dass Nestorius seine Lehre der gemeinschaftlichen Namen bereits zu einem frühen Zeitpunkt seines Episkopats entwickelt hatte, finden sich auch in einer seiner Predigten, die erst kürzlich endeckt wurde (vgl. Kinzig [2020], S. 458f. §§10 u. 14).