Kyrill wehrt sich hier gegen die Vorstellung, dass in Christus lediglich eine „personale“ (κατὰ πρόσωπον) Einung zwischen Menschen und dem göttlichen Logos stattgefunden habe. Er meint damit vermutlich, wie sich auch aus vergleichbaren Stellen im weiteren Verlauf der vorliegenden Schrift ableiten lässt (vgl. z.B. unten CV150,145,6 – 8), eine Einung von zwei verschiedenen πρόσωπα (vgl. hierzu auch besonders CV4,7,1 – 4, ACO I,1,1 S. 28,11–14 [Dok. 23], wo er auch auf die Gründe dieser Ablehnung eingeht). Eine zumindest nahe verwandte Vorstellung hatte er auch schon weiter oben kritisiert (vgl. CV150,20,1 – 7, wo dies im Zusammenhang mit Nestorius’ Lehre der gemeinsamen Namen geschieht), dort aber nicht explizit den Begriff ‚Einung‘ verwendet, sondern in Anlehung an das Vokabular des gegnerischen Lagers von einer „Verbindung“, einer συνάφεια zu einem πρόσωπον spricht. Kyrill selbst beharrt in dieser Phase der Auseinandersetzung auf dem Begriff einer „hypostatischen Einung“ (ἕνωσις καθ’ ὑπόστασιν; vgl. z.B. unten CV150,74,8 – 11). Dies ist insofern nicht ganz unproblematisch, als er an anderen Stellen den Begriff des πρόσωπον nicht immer scharf von dem der ὑπόστασις abgrenzt (vgl. CV6,12,19, ACO 1,1,1 S. 41,1 [Dok. 36] = vierter Anathematismus, wo es eine zumindest partielle Synonymie zwischen den Begriffen zu geben scheint). Dessen ungeachtet scheint für Kyrill ein wesentlicher Unterschied zwischen einer ἕνωσις καθ’ ὑπόστασιν und einer ἕνωσις κατὰ πρόσωπον zu bestehen: während erstere sich in seinen Augen offenbar bis in das Wesenhafte erstreckt und den Inkarnierten in seiner Gesamtheit zum wahrhaften Gott werden lässt, bleibt letztere aus seiner Sicht eher oberflächlich und von äußeren Faktoren bestimmt (vgl. z.B. unten CV150,162,21 – 23). Vgl. hierzu auch van Loon (2009), S. 442–446.