CV6 (Dok. 36): Kyrills dritter Brief an Nestorius

Inhalt: Kyrill entfaltet als Antwort auf den zweiten an ihn gerichteten Brief des Nestorius noch einmal ausführlich seine auf die θεοτόκος-Frage gerichtete christologische Position, wobei er sich abermals auf das Nizänum beruft und auf die Einwürfe seines Gegners zum Teil dezidiert eingeht. Im An­schluss an seine Ausführungen stellt er zwölf Anathematismen auf, die definieren sollen, welche Ansichten in dem erörterten Fragenkomplex zu verwerfen seien.

Edition: Collectio Vaticana 6, ACO I,1,1 S. 33,4–42,5; ältere Edd.: Labbé/Cossart (1671–1672), Bd. 3 Sp. 395–410; Coleti (1728–1734), Bd. 3 Sp. 944–960; Mansi, Bd. 4 Sp. 1068–1084; PG 77, Sp. 105–121; Pusey (1965 [= 1868–1877]), Bd. 6 S. 12–39

Verzeichnisnummern: CPG 5317

Verfasser: Kyrill von Alexandria

Datierung: 30. November 430

Lat. Übersetzungen: (1) Collectio Veronensis 17, ACO I,2 S. 45–51; (2) Collectio Casinensis 8, ACO I,3 S. 26–35; (3) Collectio Dionysius Exiguus, ACO I,5 S. 236–244; (4) Gesta Constantinopolita­na, ACO IV,1 S. 160–166

Literatur: Price/Graumann (2020), S. 160–171

1Genaues Empfangsdatum nach CVer17,12 (ACO I,2 S. 51,33).

​(10) Wenn er aber über den Geist sagt: „Jener wird mich verherrlichen“, sagen wir,
​wenn wir richtig denken, dass der eine Christus und Sohn nicht, als ob er die
​Herrlichkeit seitens eines anderen nötig hätte, die Herrlichkeit vom Heiligen Geist
​empfängt, da sein Geist nicht größer als er ist und nicht über ihm steht. Da er den ihm
​eigenen Geist jedoch, um Großes zu vollbringen, zur Offenbarung seiner Göttlichkeit
​verwendete, sagt er, er sei von ihm verherrlicht worden, wie jemand der von uns über
​die ihm gerade innewohnende Kraft oder Kenntnis auf irgendeinem Gebiet sagt: Sie
​werden mich verherrlichen. Denn wenn der Geist auch in einer eigenen Hypostase
​existiert und für sich wahrgenommen wird, da er Geist und nicht Sohn ist, ist er ihm
​dennoch nicht fremd. Er wird nämlich Geist der Wahrheit genannt, und Christus ist
​die Wahrheit,
und er geht aus ihm hervor wie natürlich auch aus Gott, dem Vater.
​Indem der Geist also durch die Hand der heiligen Apostel die Wunder wirkte, nach­‐
​dem unser Herr Jesus Christus zu den Himmeln aufgestiegen war,
verherrlichte er ihn.
​Man glaubte schließlich, dass er von Natur aus Gott ist, indem er selbst wiederum
​durch seinen eigenen Geist wirkt. Deswegen sagte er auch: „Er wird von dem Meinen
​nehmen und euch verkünden.“
Und wir behaupten keineswegs, dass der Geist auf­‐
​grund von Teilhabe weise und mächtig ist. Er ist nämlich vollkommen und bedarf
​keines zusätzlichen Gutes. Da er aber des Vaters Kraft und Weisheit, das heißt des
​Sohnes, Geist ist,
ist er tatsächlich Weisheit und Kraft.

10 | 1 Wenn … verherrlichen]

Vgl. Loofs, Nestoriana S. 226,20–227,5 = CV166,IV,1,1 – 8, ACO I,1,6 S. 76,32–38 (Dok. 25); partiell ebenfalls zit. in CV60,XVI, ACO I,1,2 S. 49,22–26.

10 | 1 Jener … verherrlichen]

Joh 16,14.

10 | 10 Geist … Wahrheit]

Vgl. Joh 16,13.

10 | 10–11 Christus … Wahrheit]

Vgl. Joh 14,6.

10 | 12–13 Indem … war]

Vgl. Apg 1,8.

10 | 15–16 Er … verkünden]

Joh 16,14.

10 | 18–19 Vaters … ist‌¹]

Vgl. 1 Kor 1,24.

Die Akten des Konzils von Ephesus 431. Übersetzung, Einleitung, Kommentar

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