CV7 (Dok. 39): Kyrills Rede über den rechten Glauben an Theodosius

Inhalt: Kyrill widmet Kaiser Theodosius II. eine ausführliche Darstellung des rechten Glaubens. Zu diesem Zweck beschreibt er zunächst in knappen Worten die wichtigsten Häresien, die im Reiche umgehen, um sie anschließend zu widerlegen. Während er die meisten dieser Lehren dabei relativ zügig abhandelt, verwendet er viel Zeit darauf, sich mit der zuletzt vorgestellten, einer dyophysiti­schen Lehre, wie sie Nestorius vertritt, auseinanderzusetzen, wobei er seine eigene Auffassung, die er dieser gegenüberstellt, immer wieder vor Fehlinterpretationen zu schützen versucht.

Edition: Collectio Vaticana 7, ACO I,1,1 S. 42–72; ältere Edd.: Labbé/Cossart (1671–1672), Bd. 3 Sp. 45–105; Coleti (1728–1734), Bd. 3 Sp. 613–672; Mansi, Bd. 4 Sp. 617–680; PG 76, Sp. 1133–1200; Pusey (1965 [= 1868–1877]), Bd. 7 S. 1–152

Verzeichnisnummern: CPG 5218

Verfasser: Kyrill von Alexandria

Datierung: 430

Lat. Übersetzungen:  –

Literatur: van Loon (2009), S. 419–433

​(25) Es wird aber wahrscheinlich jemand fragen: ‚Wen hat die heilige Jungfrau denn
​nun geboren: den Menschen oder vielmehr den aus Gott gezeugten Logos?‘
Wir je­‐
​doch sagen: Und genau das ist der Irrtum und das Verfehlen des Angemessenen und
​Wahren. Trenne mir nicht nach der Einung und beschreibe uns den Immanuel nicht,
​​ indem du ihn in einen Menschen für sich und den Gott-Logos aufspaltest, in Form
​von zwei Personen! Niemand soll uns berechtigterweise dafür tadeln, dass wir uns
​entschieden hätten, nichts Richtiges zu denken, sondern vielmehr jenes, was schon
​durch die Heilige Schrift verurteilt worden ist. Denn einer der Jünger Christi sagte
​Folgendes: „Ihr aber, meine Lieben, erinnert euch an die Worte, die zuvor von den
​Aposteln unseres Herrn Jesus Christus gesprochen worden sind, dass sie euch sagten,
​dass am Ende der Zeiten Spötter
mit Spott kommen werden, die ihren Weg entspre­‐
​chend ihren eigenen Begierden, denen der Gottlosigkeiten, gehen. Diese sind es, die
​Grenzen ziehen, Psychiker, die keinen Geist besitzen.“

​Man darf also auf keine Weise abgrenzen, aber vor allem nicht dahingehend, dass
​nach der Einung zwei erscheinen und man beide jeweils separiert betrachtet. Doch
​man muss nun wissen, dass der Verstand einen Unterschied der Naturen wahrnimmt
​(Gottheit und Menschheit sind ja keineswegs identisch), er aber zugleich mit den
​diesbezüglichen Überlegungen auch den Zusammenschluss beider zu einer Einung
​akzeptieren sollte.
Er entstammte also Gott, dem Vater, als Gott, der Jungfrau aber als
​Mensch. Es heißt ja, dass der aus dem Vater auf unaussprechliche und den Verstand
​übersteigende Weise aufleuchtende Logos auch aus einer Frau geboren worden ist, sich
​dabei zur Menschheit hinabbegeben und selbst zu etwas hinabgelassen hat, was er
​[vorher] nicht war, [und zwar] nicht, um entäußert zu bleiben, sondern auf dass man
​daran glaube, dass er Gott ist; und er hat sich in unserer Gestalt auf Erden nicht als in
​einem Menschen wohnend gezeigt, sondern als selbst der Natur nach Mensch Ge­‐
​wordener, wobei er die ihm eigene Herrlichkeit bewahrt hat. Daher sagt auch der
​Göttliches kündende Paulus, indem er das, was von untereinander bestehender We­‐
​sensidentität weit entfernt und durch unermesslichen Unterschied getrennt ist, Gott­‐
​heit und Menschheit, dem Heilsplan entsprechend zu einem zusammenführt und von
​beiden ausgehend den einen Christus, Sohn und Gott bezeichnet: „Paulus, Knecht
​Jesu Christi, berufener Apostel, bestimmt zur [Verbreitung des] Evangeliums Gottes,
​welches zuvor durch seine Propheten in den heiligen Schriften verkündet worden ist
​über seinen Sohn, der dem Fleische nach der Nachkommenschaft Davids entstammt,
​der als Sohn Gottes dem Geist der Heiligkeit nach in Macht eingesetzt ist.“
Siehe, er
​sagt deutlich, er selbst sei zur [Verbreitung des] Evangeliums Gottes bestimmt, ob­‐
​wohl er eindeutig schreibt: „Wir verkünden uns ja nicht selbst, sondern Christus Jesus,
​den Herrn“,
und dann wieder: „Ich beschloss nämlich, unter euch nichts zu kennen
​außer Jesus Christus, und zwar dem gekreuzigten.“

25 | 1–2 Wen … Logos]

In De incarnatione eine aus eigenem Interesse gestellte Frage des B-Sprechers. Zum Inhalt der Frage und ihrem möglichen Hintergrund vgl. z.B. auch CV166,I,1,1 – 11, ACO 1,1,6 S. 16,20–27 (Dok. 25) = Loofs, Nestoriana S. 353,1–12 oder Theod. Mops. De incarn. PG 66, 969C.

25 | 9–13 Ihr … besitzen]

Jud 17–19.

25 | 11 mit Spott]

ἐν παιγμονῇ: fehlt im Text des Judasbriefes.

25 | 14 Man … abgrenzen]

In De incarnatione als Frage dem B-Sprecher zugeordnet.

25 | 16–19 man … sollte]

Zit. im Florilegium Cyrillianum 146.

25 | 30–34 Paulus … ist]

Röm 1,1–4.

25 | 36–37 Wir … Herrn]

2 Kor 4,5.

25 | 37–38 Ich … gekreuzigten]

1 Kor 2,2.

Die Akten des Konzils von Ephesus 431. Übersetzung, Einleitung, Kommentar

Impressum

Förderung und Partner

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Universität Bonn
  • Universität Bern
Logo DFG
Logo Universität Bonn
Logo Universität Bern