CV150 (Dok. 40): Kyrills Rede an die Herrinnen

Inhalt: Kyrill richtet sich in seinem Schreiben an die von ihm als ‚Kaiserinnen‘ angesprochenen Adres­satinnen, um diese in ihrem rechten Glauben zu bestärken. Sein wesentliches Ziel ist es darzulegen, dass Jesus Christus in jeder Beziehung göttlich und niemals bloß ein gewöhnlicher Mensch ist. Zu diesem Zweck führt er zunächst eine Reihe von Aussagen früherer Theologen an, die seine Auffassung bestärken, dann einen ganzen Katalog von Zitaten aus dem Neuen Testament. Letzteren fügt er je­weils einen kleinen Kommentar hinzu, mit dem der gerade in Rede stehende Aspekt der Gottheit Christi bewiesen werden soll.

Edition: Collectio Vaticana 150, ACO I,1,5 S. 62,3–118,38; ältere Edd.: PG 76, Sp. 1201–1336; Pusey (1965 [= 1868–1877]), Bd. 7 S. 154–262

Verzeichnisnummern: CPG 5219

Verfasser: Kyrill von Alexandria

Datierung: 430

Lat. Übersetzungen:  –

Literatur: Graumann (2002a), S. 323–333; van Loon (2009), S. 433–454

​​ (134) „Der erste Mensch Adam wurde zu einer lebendigen Seele, der letzte Adam
​zu einem lebenspendenden Geist.“
Und dann wieder: „Der erste Mensch ist aus Erde,
​ist irdisch, der zweite Mensch der Herr aus dem Himmel. Wie der Irdische ist, so sind
​auch die Irdischen, und wie der Himmlische ist, so sind auch die Himmlischen. Und
​wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, werden wir auch das Bild des Himm­‐
​lischen tragen. Das aber sage ich, liebe Brüder, dass Blut und Fleisch das Reich Gottes
​nicht erlangen können und die Vergänglichkeit auch nicht die Unvergänglichkeit er­‐
​langt.“
Er fügt dem aber hinzu: „Die Posaune wird ertönen, und die Toten werden als
​Unvergängliche auferweckt werden, und wir werden umgewandelt werden. Dieses Ver­‐
​gängliche hier muss sich nämlich die Unvergänglichkeit anlegen und dieses Sterbliche
​hier die Unsterblichkeit.“
Zu einer lebendigen Seele wurde der erste Mensch. Er be­‐
​durfte nämlich als Geschöpf eines lebenspendenden Gottes. Der letzte Adam aller­‐
​dings, also Christus, wurde, da er als Gott keines Lebens bedurfte, zu einem Geist, der
​uns Leben spendet, was die eigentümliche Überlegenheit der göttlichen Natur aus­‐
​macht. Und der erste ist der Irdische aus Erde, der zweite aber stammt aus dem Him­‐
​mel, auch wenn er durch eine Frau geboren worden ist. Denn der von oben und aus
​dem Himmel [stammende] und aus Gott, dem Vater, [gezeugte] Logos kommt, auch
​wenn er Mensch geworden ist, dennoch um nichts weniger vom Himmel. Und wenn
​von uns, die wir von Vergänglichkeit und Tod befallen sind, gesagt wird, dass wir
​deswegen das Bild des Irdischen tragen, werden wir, wenn wir die Unvergänglichkeit
​angelegt haben, das Bild des Himmlischen tragen. Unvergänglichkeit ist aber wiede­‐
​rum das eigentümliche Gut der naturhaften Gottheit. Die Toten werden schließlich
​umgewandelt, und das Vergängliche legt sich die Unvergänglichkeit um, weil der
​Einziggeborene wie wir geworden ist, das Sterbliche in Unsterblichkeit verwandelt
​und das Vergängliche in sich selbst als erstem zur Unvergänglichkeit umrüstet. So ist
​er nämlich auch für uns selbst zum Weg ins Leben geworden.

134 | 1–2 Der … Geist]

1 Kor 15,45.

134 | 1 Der … Seele]

Vgl. Gen 2,7.

134 | 2–8 erste … er­langt]

1 Kor 15,47–50.

134 | 8–11 Die…Unsterblichkeit]

1 Kor 15,52f. 1 Kor 15,52f.

Die Akten des Konzils von Ephesus 431. Übersetzung, Einleitung, Kommentar

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